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Datum

2002-10-08

 

Bericht des Septembers


Liebe Freunde und Familie!

Nun ist der Sommer zuende, in den Alpen liebt der erste Schnee. Und ein weiterer Monat ist ins und durchs Land gegangen. Der erste Monat, in dem ich offiziell wieder Bonner bin, habe ich doch Bleibe bei einem guten Freund gefunden, wenn ich auch 90 % meiner Zeit noch in München und Ebersberg verbringe. Aber alleine wieder eine Adresse mit einer Bonner Postleitzahl zu haben ist ein gutes Gefühl. Nein, in München und in Bayern bin ich, der doch schon an so vielen Orten in diesem Lande gelebt hat, nie heimisch geworden. Ich gestehe ja, es sind nicht die Bayern, es ist dieses Gemisch aus "mir san mir", dem "Ich verdiene viel Geld" und der für mich zu großen Entfernung zur Nordsee, zu Holland und meinen Freunden, das, was mich nun doch sehr schnell wieder hier forttreibt!

Das es auch beruflich für mich zu einer weiteren Verbesserung führt, ist eine freundliche Fügung, mit der ich nicht gerechnet habe, mir aber in dieser Entscheidung recht gibt!

Die Arbeit, sie frißt mich ein wenig auf, ist unser Kunde doch ein "schwieriges Kind", der mit partnerschaftlicher Arbeit Probleme hat. Und da ich das Projekt, immerhin ein Volumen von 9,5 Mil. €, vertretend leiten mußte, wohl mit Erfolg, "drohte" mir letztens mein neuer Chef die Projektleitung komplett an. Nicht, dass ich dies schlecht fände, allerdings ist die damit verbundenen Buchhaltung mir abhold! Das Projekt geht nunmehr in eine sehr Budget-haltinge Phase, das umfangreiche Release 2, und das vom Kunden gewünschte Release 3, welches nach der Bundestagswahl von 22. September nunmehr feststeht.

Die Bundestagswahl und die anschließende Auszählung war ein Krimi, ein auf und ab der Gefühle, egal, mit welcher der Parteien man persönlich sympathisierte. Das Ergebnis ist auf jeden Fall aus der Sicht meines Unternehmens der CSC AG, nicht unbedingt ein Traum, denn die knappe Mehrheit, die Unterschiedlichkeit der Koalitionäre, die fehlende Bundesratsmehrheit und die mangelnde, allerdings auch der anderen Seite zueigenen, personellen Armut, lassen eines für die nächsten vier Jahre erahnen: Stagnation, keine visionären Entscheidungen. Über mangelnde Ehrlichkeit der Politik brauche ich mich nun wirklich nicht zu ereifern, denn jeder Politiker, der verspricht, er könne Arbeitsplätze schaffen, ist unehrlich! Will er die Zeit zurückdrehen? Möchte er die Produktivität der Maschinen und Computer drosseln, Produkte teuer machen? Nein, es geht nicht um Arbeitsplätze, es geht um ein anderes Gesellschaftsmodel, um Visionen, und nicht um die Verwaltung des Status Quo! Wie aber soll dies, mit Ansprüchen von Wirtschaft, Gewerkschaften, Bauern und sonstigen Interessenverbänden, funktionieren? Auf diese Antwort warte ich... und warte damit auf das Unmögliche: Einen ehrlichen Politiker!

Vanessa hat den Monat mit zwei Projekten verbracht: Zum einen den Proben bis zur Premiere von "Kabale und Liebe", in dem sie die Lady Millford spielt und zum anderen mit ihrer weiteren Zukunftsplanung und dem Engagement für ein weiteres Stück, "Männer und Frauen". Dabei streckt sie ihre Fühler auch immer mehr dem Rheinland entgegen, wollen wir doch zusammen nach Bonn ziehen.

Mitte September waren Vanessa und ich auf dem 40. Geburtstags meines lieben Bruders Hans-Jörg(Photo). Eine Fete in einer Scheune, treffen von Familie und einem "alten Freund", Pete, den ich 85 in Holland kennengelernt habe. Ein entspanntes Wochenende, habe ich doch viele meiner engen Familie lange, zu lange nicht mehr gesehen.

Auf dem Rückweg sind wir in Bonn bei Priska vorbeigefahren, denn sie gehört zu den Menschen, die ich hier in München mit am meisten vermisse!

Mein Muskelfaserriß ist, gottseidank, weitestgehend geheilt, es scheint nicht zurück zu bleiben, und ich warte nunmehr auf den Wind, der mir noch einen kleinen Saisonabschluß beschert, aber eher scheint es hier nunmehr Schnee zu geben denn dass es noch mal mit dem Wind für den Ammersee reicht!

Über den 3. Oktober war ich dann bei meiner Freundin Brigitte, mit der ich vor 20 Jahren mal zusammen war, und mit der ich einen lockeren, über Mail und Telefon geführten Kontakt hatte. Es war schön, mit Ihr zusammen einen mir nicht bekannten Teil der Eifel, Niedecken und Monschau zu erkunden, Freunde zu besuchen, und vor allem mit Brigitte zu reden. Menschen, die man lange nicht gesehen hat, haben einen unverschleierten Blick auf einen. Und so hat Brigitte mir so manche Wahrheit gesagt, die ich für mich doch gerne bereit bin, zu verdrängen!

Tja, so ist der Spätsommer dahingegangen, mit wenig bis keiner Lageweile, einiges an Streß, und wiedereinmal viel zu schnell!

Im Aldi liegen statt Cidre nun schon die Dominosteine, Marzipan und Spekulatius. Dies, liebe Freunde und Familie, ist das untrüglichste Kennzeichen dafür, dass es nun Herbst ist! Genießen wir also die bunten Bäume, die frische Luft und das Laub unter unseren Füssen!

Bis bald

Euer Jens

 

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