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Datum

2006-04-10

 

Auf die Höhe meines Lebens!


Liebe Freunde und Familie,

Nun endlich, wenn auch mit Zögern, scheint der Frühling vor der Türe zu stehen und ein langer Winter neigt sich seinem Ende.
Zeit für mich, Euch wieder einmal auf die Höhe meines Lebens zu bringen. Und dieses Leben hatte drei bestimmenden Merkmal seit meinem letzten Newsletter: Sabine, Urlaub und meine Firma, die CSC.

Auch wenn Sabine in der Liste genauso auf Platz eins steht wie in meinem Leben und Herzen, so ist es dann doch der Punkt, über den ich nicht so viel schreiben kann. Denn, es kommt alles auf ein Wort zurück: Wir sind glücklich. Wir sehen uns oft, fast jedes Wochenende, mal in Bonn, etwas öfter noch in München. Aber wir haben den Entschluß gefaßt, dass wir zusammenziehen wollen. Und dies nicht in München sondern hier im Rheinland. Wir beide freuen uns darauf, denn der Reiserei sind wir etwas müde geworden über die letzten 15 Monate. Auch aber freuen wir uns, weil wir beide der Überzeugung sind, dass es das Richtige ist!
Nun kommt es alles darauf an, dass Sabine im Rheinland einen neuen, und vor allem auch Spaß und Herausforderung bringenden Job findet. Dies gestaltet sich etwas schwer, da es sich eingebürgert zu haben scheint, dass Assistenten vor allem über Zeitarbeitsfirmen vermittelt werden. Dies ist für mich nicht nachvollziehbar, ist mir doch aus meiner Arbeit bewußt, dass grade diese Tätigkeit eine ist, in der neben den Fertigkeiten auch viel internes Wissen über die Firma vorhanden sein muß, für die man arbeitet.
Aber auch hier gilt der Optimismus, dass alles seinen Weg findet.

Urlaub:
Nun, wie zumeist um diese Jahreszeit habe ich auch dieses Jahr meine Surfsaison mit einer Winterflucht nach Ägypten eingeläutet. Dass ich dort ausgerechnet Vanessa und ihren Neuen treffen muß habe ich nicht wirklich erwartet. Seit Jahren ist Dahab mein Revier, und sie weiß, dass ich dort um diese Jahreszeit sehr sicher anzutreffen bin. Dass sie auch noch in meinem Hotel war, fand ich nicht sehr geschmackvoll. Das Treffen hätte mir um ein Haar die Urlaubsfreude ruiniert... zumindest für einen Tag! ;-)
Danach wurde für mich deutlich, wo ich hingehöre. Denn wen ich in Vanessa dort traf, war beiweiten nicht mehr die Frau, die ich einst liebte und auch vergötterte. Es war für mich, als träfe ich einen anderen Menschen. Ihren Freund in diese Situation zu bringen war für mich ebenso unverständlich, wie Ihr Verhalten widersprüchlicher wurde von Tag zu Tag. Sie erschien mir als zwei Menschen.
Anyway, wie so oft lag in etwas vermeintlich Schlechten letztlich das Gute. Meine Enttäuschung ob Ihrer Veränderung bleibt, ebenso wie mein Zweifel, ob sie vielleicht nicht schon immer so war, und ich sie nicht einfach nur überhöht habe in meiner Liebe. Aber als ich Dahab verließ hatte ich nur einen Gedanken: Sabine ist es!

Nebenbei gab es noch Wind, Wärme (28° Luft und 23° Wasser), nette Menschen, und viel Erholung. Fotos findet Ihr unter http://jens.gersdorff.de/jalbum/Urlaube
Leider aber auch gab es einen Anruf von der Firma, der eine regelrechte Telefonorgie auslöste.

Und schon sind wir da beim letzten bestimmenden Thema: Die CSC

War es bis Montag letzter Woche noch so, dass unsere Firma um die Übernahme der Siemens Busines Service (SBS) verhandelte, hat sich die Lage seit Dienstag schlagartig verändert: Aus den Käufer wurde ein Verkaufsobjekt.
Nun ist es aber nicht etwa so, dass es jemanden gibt, der die CSC (weltweit) kaufen möchte. Das Management hat lediglich entschieden, dass verkauft werden soll. Und weil die Braut ja schön sein soll, müssen in Europa 5.000 Mitarbeiter gehen.

Ich habe selten ein derartiges Management erlebt, welches alle Register zieht die Mitarbeiter zu demotivieren. Nun ist es ja bei uns nicht wie im produzierendem Gewerbe, dass man Prozesse straffen und Menschen mit Maschinen ersetzen kann. Bei uns sind die Menschen und Ihr Wissen das Kapital. Man kann es im Beratungsgeschäfts also mit einer Kapitalreduzierung vergleichen.
Viele meiner Kollegen haben, wie ich auch, nun endgültig die Nase voll. Haben wir schon in dem Getorkel der Entscheidungen in den vergangenen Monaten viele, gute Kollegen verloren, ist der Exodus nun im vollen Gange. Wohin das führen wird ist nicht abzusehen. Aber ich sehe, dass ich nicht mehr genügend Kollegen finde, um Projekte zu bewältigen.

Aber noch eine Nachricht gilt es zu erwähnen. An sich kein großes Ding, aber irgendwie hat es mein Selbstverständnis getroffen: Ich habe geerbt!
Nun sagen mir alle: " Mensch, das ist doch toll!" aber nicht so bei mir. Als ich das Schreiben bekam, brach eine Welt zusammen. Denn bis zu dem Zeitpunkt hatte ich das Verständnis dass alles, was in meinem Leben ist, auch von mir geschafft und erarbeitet wurde. Nun aber stehe ich da, habe eine Wohnung für die ich nichts kann, kein Zutun meinerseits. Mit dem Gedanken mußte ich mich erstmal anfreunden. Aber auch mit der Selbstverständlichkeit, mit der meine Mitmenschen auch davon ausgehen, dass sie erben werden. Und fast einen Anspruch daraus machen! Schön aber war, dass von den Menschen, die mir wichtig sind, keiner so denkt!

Liebe Freunde und Familie! Wie man vielleicht erkennen kann, hat mein Lebe etwas wie eine Bahn im Moment, wenn auch immer noch genügend Unvorhergesehenes geschieht!
Ich denke, dass wir uns Gedanken machen müssen, ob diese Art der Wirtschaft, und, das viel schlimmer, diese Art von Managern wirklich gebrauchen können, in einer Welt, die aus mehr besteht denn auf Profit! Die Zusammenhänge sind komplexer, gottseidank.
Als Empfehlung möchte ich noch das Buch "Kollaps" mitgeben, von Jared Diamond Fischer. Dies gibt mir grade viel zu denken, denn es beschäftigt sich mit den Zusammenbrüchen von Gesellschaften, geschichtlich und im Transfer!

Mit viel Freude am Leben möchte ich Euch das Gleiche wünschen!
Euer Jens

 

 

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