|
|
Liebe Freund, Familie und Bekannte,
nun ist es doch geschehen: Sabine hat am 15.8. ein deutliches JA gesagt. Das ich dies wohl auch getan habe, dürfte jedem klar sein. Daher ist es nun so, dass wir verheiratet sind!
Entgegen allen Prognosen der Meteorologen hat an diesem Tag auch noch die Sonne geschienen. Jawohl! Das war für uns nicht so ganz unwesentlich, denn wir wollten unbedingt in unserem Garten die Hochzeit feiern. Somit wurde die Gartenfeier mit ca. 80 Leuten dann auch ein wirklicher Erfolg. Allen schien es zu gefallen, und etliche blieben bis morgens um 05:00.
Dass wir im Vorfeld der Hochzeit doch erheblich unter Stress standen, dürfte aber auch niemanden wirklich verwundern. Denn aus dem Plan das Catering und alles weitere, wie Tische, Stühle, etc aus einer Hand zu bekommen, wurde nichts. So mussten wir uns alles selber zusammen suchen. Hier hat Sabine ihr Organisationstalent dann auch voll ausgespielt. Dafür gebührt ihr von mir, der ich seit April beruflich in Den Haag bin, meine volle Anerkennung und vor allem auch mein Dank.
Dass ich dann meine Bräutigam-Rede dann doch nicht hinbekommen habe, viel dabei nicht mehr so weit ins Gewicht. Als Bräutigam darf man an einem solchen Tag auch mal eine Träne zerdrücken. Und Rede halten und weinen müssen – so habe ich festgestellt – funktioniert gleichzeitig nicht!
Uns auf jeden Fall hat die Hochzeit und vor allem die darauf folgende Party Spaß gemacht. Wobei wir ganz dankbar wären, wenn uns vielleicht mal jemand sagt, wie das Essen war, denn wir haben keine Zeit gehabt davon zu essen. Das hatten uns zwar einige Freunde schon vorab prophezeit, aber glauben wollten wir es nicht.
Bilder von der Hochzeit findet Ihr unter http://jens.gersdorff.de/jalbum/hochzeit
Leider gab es im Vorfeld zur Hochzeit einen nicht so schönen Vorfall, der meine von mir bis dato vor allen gerechtfertigte erste Ehe in ein anderes, weniger schönes Licht rückt. Aber mir auch ein weiteres Mal gezeigt hat, welch wertvollen Menschen ich mit Sabine heute an meiner Seite weiß. Das Ergebnis dieser Geschichte war nun leider, dass ich ohne Trauzeugen vor dem Standesbeamten stand. Verschmerzbar. Aber auch, dass ich eine neue, wie wir es nennen, emotionale Trauzeugin haben: Brigitte. Leider konnte sie zur Trauung selber nicht kommen. Aber die wirkliche Aufgabe eines Trauzeugen beginnt ja nun mal auch erst danach. Der schale Beigeschmack, den allerdings meine Exfrau in dieser Geschichte bei mir hinterlassen hat, wird noch nachwirken.
Aber etwas Anderes, ebenfalls absehbares, ist nun auch eingetreten: Die Finanzkrise. Manche mögen reflex-artig anfügen „in den USA“. Aber dieser Anhang ist aufgrund der Verstrickungen der „globalen“ Finanzwelt wohl nicht wirklich wahr.
Warum es absehbar gewesen ist? Nun, wie lange kann sich eine derartige Spekulationsblase denn halten? Lange vielleicht, aber auf keinen Fall ewig. Somit musste früher oder später der Kreislauf des sich „selbstvermehrenden Geldes“ platzen. Analysen und Warnungen davor gab es genug (siehe krisis.org). Nur will man diese natürlich nicht hören, solange alles gut geht. Andererseits haben die Wirtschafts- & Gesellschaftswissenschaftler der KIRIS Gruppen auch noch keine Antworten, nur Analysen.
Wie oft habe ich im Radio und Fernsehen wieder gehört, dass sehr viel Geld „verbrannt worden sei“! Hallo?? Geld verbrennen? Ist das nicht illegal? An Börsen wird kein Geld verbrannt, selbst wenn alle Aktien mit einem Schlag nichts mehr wert sind. Es wandert immer von der einen Tasche in eine andere. Wenn es also stimmt, dass die Notenbanken die Geldmengen regeln (mit Ausnahme natürlich von sich im Umlauf befindlichem Falschgeld), müssten die Herren Chefs der Notenbanken sich hingesetzt haben und mal eben die - wie nun vermutet – über 900.000.000.000,- $ verbrannt haben. Das wäre (neben der erwähnten Illegalität) aber ein schönes Feuerchen geworden. Und keiner hat es gesehen?
Nein, Das „fehlende Geld“ liegt nun irgendwo auf irgendwelchen Konten oder in anderen, realen Werten, und wurde dem Finanzkreislauf erstmal entzogen. Würde dieses Geld mit einem Schlag wieder auf dem Markt kommen, hätten wir wohl eine ziemliche Inflation.
Erstaunlich ist aber, dass die US-Regierung diese 700.000.000.000 Bucks in das Finanzsystem stecken will, um es zu stützen. Nun stellt sich die Frage: Wissen die, wo das Geld ist und wollen es konfiszieren um dem Volk und seiner Wirtschaft zu helfen. Mit Nichten, will mir scheinen. Zu dem Verlust der obigen Summe (meist Kleinanleger) soll nun das Volk noch mal diese Summe über Steuern aufbringen, um (wem eigentlich?) zu helfen.
Sollte Herr Bush aber wirklich wissen, wer das fehlende Geld nun hat, soll er bitte so gut sein und es der Allgemeinheit zurückgeben.
Ist es nicht lustig: Uns normalen Bürgern kann man jede Miniüberweisung vom Finanzamt aus nachweisen. Wenn aber sich mal eben Milliarden (eher Billionen) Summen aus dem Finanzkreislauf verabschieden, ist es scheinbar nicht möglich nachzuweisen, wer nun der Böse ist.
Aber woher will Georg W. das Geld eigentlich wirklich nehmen? Will er es sich etwa bei den Banken leihen? Hier nun bekommt die Aktion von Bush etwas Surreales: Denn das würde bedeuten, wenn es jemand mal zu Ende denkt, dass er einen 700 Milliarden Kredit aufnehmen will, ohne dass Banken wirklich was auszahlen. Na gut: Der Saat bekommt dafür vielleicht für die gleiche Summe Kredite zugeschanzt. Aber das werden doch bestimmt nicht sein, die eine wirkliche Bonität haben. Für die Banken bedeutet das: Aus schlechten Krediten machen sie mit einem Schlag einen großen, guten Kredit. Solche Geschäfte muss man mir mal anbieten: Ich würde sofort JA sagen. Denn dann heißt es: Machst Du Gewinn darfst Du den behalten, machst Du Verlust kommt der große Bruder und regelt das schon für Dich. Vielleicht ist da ehrlicher, wenn die zu helfenden Institute in Staatbesitz genommen werden. So kann, wenn das System wieder Gewinne abwirft, vielleicht mal, dann die Allgemeinheit davon profitieren. Hier aber ist die deutsche Regierung einfach nur dumm. Jeder Manager würde sagen: OK, ich helfe Dir. Aber dafür bekomme ich x Prozent der Firma. Denn wenn dieser Teil dann nichts wert sein sollte in Zukunft wäre die Hilfe ha auch sinnlos. Von der Niederländischen Regierung im Fall Fortis könnte man sich da was abschauen. Oder nur mal in Holland Radio hören, wie man sich dort über und Deutsche lustig macht deswegen.
Kann sich irgendjemand vorstellen, was passieren würde, wenn man dieses Geld in die Wirtschaft, Bildung und Aufbauhilfe für die ehemalig von Kolonialstaaten ausgebeuteten Länder (heute nett „Entwicklungsländer“ genannt) gesteckt hätte?
Mache ich mir heute Sorgen wegen dieser Krise? Ja. Und das sehr deutlich. Weiß ich aber was man machen kann um dies zu mildern oder für die Zukunft zu verhindern? Nein. Und das ist das Trauerspiel. Keinem Menschen scheint irgendetwas einzufallen, was besser wäre als der „Cowboykapitalismus“ (Peter Scholl-Latour). Jahrtausendelang kamen die Wirtschaftssysteme ohne ein jährliches Wachstum aus.
Aber wie lange und wohin soll man denn noch wachsen? Irgendwann gibt es keine Chance auf Wachstum mehr. Irgendwann kann man die Kosten nicht weiter drücken. Natürlich wäre hier ein kleiner aber feiner Weltkrieg nicht schlecht (hat ja auch schon zweimal ganz gut geholfen). Man muss dabei nur ausreichend Produktivkapital zerstören. Und wenn man es dann noch schafft, z.B. in Deutschland ca. 6 Millionen Soldaten und Zivilisten zu töten, hätten wir doch auch wieder Vollbeschäftigung. Und bis die Produktionsmittel, Gebäude und Verkehrsmittel wieder aufgebaut worden sind, kann man auch endlich jährlich wieder wachsen! Ich denke, dann schaffen wir auch mal wieder zweistellige Wachstumsraten.
Der Weg von G. W. Bush ein fremdes Land zu zerbomben und dann Wachstum über den Wiederaufbau zu generieren funktioniert ja auch nur bedingt (wie wir gesehen haben im Irak) und auch nur, wenn Rohstoffe in dem Land vorhanden sind. In dem Sinne ist es natürlich korrekt, nun eben den Iran ins Visier zu nehmen. Wenn es soweit ist, sollten wir Deutschen aber ruhig ein paar Soldaten opfern, damit wir an den Folgegeschäften beteiligt werden. Afghanistan war ja da wohl eher ein Verlustgeschäft, wohl weil keine Rohstoffe da sind (na gut: Opium. Aber der Verkauf ist ja so illegal wie das Verbrennen von Dollar-Scheinen).
Nun, dass ist wohl die Realität, der wir ins Auge schauen müssen. Und wem die sowenig gefällt wie mir, sollte sich mal Gedanken machen, was es besseres geben kann denn das Wirtschaftsystem von heute.
Mir fällt nichts ein. Analysen sind das eine, aber Lösungen finden, dafür bin ich dann wohl doch zu dumm L.
Ich hoffe, ich habe diejenigen unter Euch nicht enttäuscht, die sich immer daran erfreuen, wenn ich mich in meinem Newsletter aufrege. Und diejenigen nicht gelangweilt habe, denen das von mir Geschriebene eh zu langweilig ist und die auch die Ironie der Geschichte nicht verstehen.
So, in der Hoffnung, dass Ihr nicht zu viel Geld bei Lehman hattet, verbleibe ich nun!
Euer
Jens
|
|