Dahab 2006

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Dahab 2006

(4 Wochen vor den Bomben)

Ein Revier ändert sich ... aber nein: Die Frage ist, ändert sich das Revier oder nur seine Besucher?

 Ich bin nun zum sechsten Mal in Dahab, erstmals in 1999, dann fast jedes Jahr, und fast immer um die gleiche Zeit. So sind die Veränderungen die in der Zeit geschahen für mich nicht so deutlich wie vielleicht für jemanden, der das erste Mal seit 1999 wieder hier zu Besuch kommt!

Aber jedes Revier ändert sich, und dies ist auch gut so, mal angesagt, mal weniger. Auch die Veränderungen, die Dahab durchgemacht hat kann und will ich nicht mit "zum Guten" oder "zum Schlechten" werten, denn dies ist wirklich und alleine abhängig vom Standpunkt des Surfers.

 War Dahab also früher ein Inbegriff für FreeSTYLE so ist es heute schon schwierig in den Stationen (zu denen komme in im unteren Abschnitt) Freestyle Material ausfindig zu machen. Vielmehr dominiert nun wieder das FreeRIDE Material. Ich habe alle Stationsbetreiber gefragt, wieso dem so sei, und die Antworten waren uni sono:

  • "Unsere Kunden kommen hier her nicht um Tricks zu fahren. Normal ist, wenn jemand die Powerhalse kann, vielleicht noch als Krönung die Duckjibe. Aber die meisten wollen lange Schläge in Ruhe fahren oder in Speedy an der Halse arbeite."

 Und dafür ist Dahab, unabhängig von anderen Qualitäten, perfekt, zugegeben. So findet sich in den Stationen 90 % Freeride Material. Robust, problemlos, und manchmal etwas zu schwer. Aber Freerider zählen auch nicht zu den Gramm-Fetichisten.

Äußerlich ist das Revier unverändert: Kein Riff hat sich verschoben, keine Sandbank kam hinzu. Dennoch ist es eine Kleinigkeit, die sich verändert hat: Es gib nunmehr zwei Rettungsplattformen in Speedy. Wenn auch eine wohl hauptsächlich zum Filmen und Fotografieren aufgebaut worden ist, hat es den Effekt höherer Sicherheit. Für meinen Geschmack könnte die schwimmende Insel weiter zum äußeren Riff aufgestellt sein, denn in diesem Bereich, der doch stark befahren wird, ist nach Materialbruch kein Anlaufpunkt vorhanden.

 Wer ist nun der "typische" Dahab-Surfer? Nun, wie oben erwähnt, schätzen Freerider dieses Revier. aber auch Speedfahrer sind hier öfters mal zu Trainingseinheiten zu finden. Dennoch bietet das Revier auch Aufsteigern für erste Gleiterlebnisse und Freestylern einen idealen Trainingsplatz. Allerdings sollten passionierte  Manöverfreaks zumindest eigenes Riggmaterial mitnehmen. Vielleicht auch wirklich eigene Bretter.

 In den Stationen dominieren "robuste" Riggs. Was dass heißt, merkt an schon auf dem Weg ins Wasser. Das Rigg wiegt.... viel. Wurde mir noch vor Antritt der Reise zugesichert, dass alle Segel mit Masten mit 65% Carbon aus dem Jahrgang 2006 aufgeriggt wären, stellte ich vor Ort sehr schnell bei den Unterschiedlichen Stationen fest, dass es Masten waren, die max. 50% aber meist 30% Carbon hatten und deutlich älter waren. Dies mag bei kleinen Segeln noch ganz gut funktionieren. aber ein North Sails 6,9 Duke z.B. arbeitet damit bei hohem Gewicht nicht einwandfrei.

 Aber auch hier der deutliche Hinweis, dass dies an sich nur von erfahrenen und manöverorientierten Fahrer bemerkt wird.

 Der Wind war auch dieses Mal dem langjährigen Durchschnitt für die Jahreszeit entsprechend: Meist zwischen 4 - 5 bft, aber auch zwei Tage  mit deutlichen 7 - 8 bft. Im Sommer bläst es konstanter und kräftiger. Dafür verließ er dieses Jahr häufiger seine normale Richtung, ein Tag war er sogar platt ablandig. Dass an diesem Tag die Stationen  nur eine bedingte Rettungsaufsicht führten hat mich etwas schockiert, denn es waren Fahrer sehr weit draußen, oft alleine, die bei Bruch hätten einfach verloren gehen können. Einem Lehrer ist seine Schülerin abgetrieben, und erst 1,5 KM offshore von einem erfahrenen Surfer aufgelesen worden. Und dies, obwohl sie die ganze Zeit Notsignal gab! Hier sollten die Stationen eine dauerhaft besetzte Aus- & Aufsichtsstaion einrichten.

 Ein weiteres Thema ist die Zukunft des Reviers:

Nach all den Jahren die ich in Dahab zu Besuch kam, vergingt nicht ein Urlaub, in dem nicht ein Hotel hinzu gekommen ist oder sich erweitert, was  meist verdoppelt meint, hätte. Dieser Trend ist - Gerüchten zufolge - ungebrochen. Es wird von sechs weiteren Hotels gesprochen. Da dies vor allem im südlichen Anschluss an die Surf-Bucht geschehen soll, ist hier nicht zu erwarten, dass es für Surfer all zu negative Folgen haben wird. Allerdings ginge der Charme von Dahab, eben nicht wie Hurgarda zu sein, damit verloren.

 Ein weiteres zukunftsträchtiges Gerücht besagt, dass die Mistralstation "aufrüstet": Kites, Cats und Wakeboarding sollen als  Angebot hinzukommen. Wie dies in der Bucht zusammen mit Windsurfen dann wirklich funktionieren soll, ist mir noch etwas schemenhaft, allerdings wollen die Stationsbesitzer von Fun-System, Planet Windsurf  und Happy hier ein Auge drauf werfen, dass Surfer dadurch nicht eingeschränkt werden.

 

Die Stationen:

 Ich muss mich aus einigen Gründen hier an sich auf die hauptsächlich aus dem deutschsprachigen Raum gut buchbaren Staionen geschränken. Dies  ist zum einen darin bedingt, dass es für mich keinen Sinn macht hier eine Statione zu beschreiben, in denen nur Russisch gesprochen wird und alle Tafel kyrillisch sind.

 Zum anderen lieben wir Deutsche das Buchen von zuhause. Und das geht eben nicht bei allen Stationen. Also fange ich wertfrei von Norden nach Süden an 

Mistral:

Wie oben erwähnt kursieren Gerüchte über die zukünftige Ausrichtung der Station. Dies ist aber  nicht wirklich verwunderlich, denn leider  liegt diese Station schon ein wenig zu weit innerhalb der Bucht, so dass nicht geübte Surfer Schwierigkeiten haben in dem Böigen Wind die Höhe zu laufen, um auf dem Wasser und nicht per pedes  an  ihren Ausgangspunkt zurück zu kommen.

Warten wir ab, was sich hier bewegen wird.

Fun-System:

Die Station liegt am nördlichen Ende des Hotels Swiss Inn. Hier ist es ohne Probleme – wenn auch mit 2 – 3 Schlägen Höhelaufen – möglich noch recht problemlos vom Speedy nach hause zu kommen. Die Station hat sehr gepflegtes Material (JP-Boards und Pryde Riggs). Gebuht werden kann die Station noch (so der Stationsleiter) über Viva, besser sei  aber direkt in Kontakt zu treten (URL und @dresse am Ende).

Die Gäste an der Station sind national gemischt, „Man spricht Deutsch“, so dass es wenige Probleme an der Station gibt.

Planet Windsurf:

Zwischen dem Swiss Inn und dem Ganet Sinai liegt die Station von Planet Windsurf. Ab dieser Station ist die Lage für Surfer, die gerne in Speedy  oder Baby Bay surfen wollen optimal. Die Station ist English geführt. Sprachkenntnisse sind hier fast zwingend vorgeschrieben.

Das Material ist Fanatic Bretter mit North Sails Riggs. Als einzige Station sind die Rigg komplett aufgebaut und immer unter voller Spannung.  Zusammen mit den „falschen Masten“ ergibt dies leider etwas träge Riggs, was aber nur erfahrene Surfer stören dürfte.

Das Publikum ist zu 80% Britisch und der Rest verteilt sich auf Russen und seltener Deutsche. In den zwei Wochen, die ich dort war, ist es mir nur mit Mühe und Unterstützung der Stationsleitung gelungen Kontakt zu anderen Surfern an der Station herzustellen, denn es herrscht eine Art Cliquenbildung. Nach 7 Tagen bedingte das meinen Umzug an die  benachbarte Happy-Station, bei der ich freundlich aufgenommen wurde.

Dennoch hat mich die Station vor allem durch den  hervorragenden Zustand der Bretter positiv überrascht.

Eigenes Material ist hier willkommen!

Gebucht werden kann die Station über sun+fun.

Happy:

Nun, war ich doch schon zweimal Gast an der Happystation, so war es dieses Mal mein Asyl. Die Station wird von einem Deutschen betrieben, die  Mehrheit der Gäste sind Deutsche. Die riecht auch ein wenig nach Cliquenbildung, ist es aber nicht. Die Happy-Crew versteht es eine ungezwungene Atmosphäre aufzubauen, ohne irgendwelche „Club-Animations-Gefühle“ aufkommen zu lassen.

Material und Service sind sehr gut, wenn auch die Riggs (hatte ich es schon mal geschrieben??) aufgrund der Masten etwas träge erscheinen. Andreas versicherte mir, dass er aber auch kein Problem hat, einen neuen Mast an einen nörgelnden Kunden heraus zu geben (ich hatte das Gefühl, dass er jemanden wie mich meinte ;-) )

Board F2, Riggs North Sails.

In Kürze soll ein Single Event stattfinden, der 50/50 mit Männlein und Weiblein besetzt sein wird. Anmeldung und Information über Happy.

Die Happy Station erledigt nach meinen Beobachtungen deutlich über 50% des Rettungsdienstes. Dafür meine besondere Anerkennung!

Dass man Happy über Happy buchen kann bedarf keiner besonderen Erwähnung, allerdings sind auch andere Gäste, Leihmaterial oder eigenes, gerne  gesehen.

Surf+action Harry Nass

Als letzte Station am Strand im Süden liegt die zweite Station von Harry Nass, geführt von Elke. Der Stand der Station gehört zum Dahabeya Hotel, das seit ca. 3 Jahren existiert und sich nunmehr verdoppelt hat.

Die Lage der Station ist, anders kann man es nicht sagen, optimal für Surfer, die Speedy oder Baby Bay bevorzugen. Halbwind raus und zurück, kaum Abdeckung durch die Hotels.

Material an der Station ist wie bei Fun System JP und Neil Pryde.

Surfer mit eigenen Material sind an dieser Station, nenne ich es mal freundlich, geduldet. Sie haben einen kleinen bereich, in dem sie Ihr  Material „abstellen“ dürfen. Wenn man sieht wie wenig Platz das ist, muss ich allerdings ernsthaft fragen, ob diese Gäste wirklich gewollt sind.

Im Laufe meiner Recherchen sind mir auch wieder Erzählungen über Elkes herzhaftes Verhältnis zu einigen Kunden/Gästen zu Ohren gekommen, die ich nicht weiter überprüfen wollte, die mich allerdings sehr an meine Erlebnis vor 2 Jahren erinnerten.

 

Hotels

Auch hier möchte ich mich, auch weil es immer mehr wird, auf die wesentlichen Hotels beschränken, die problemlos von Deutschland aus buchbar und  für Windsurfer interessant sind.

Dies ebenfalls von Nord nach Süd:

Swiss Inn:

Nun, in meinen – zugegebener Maßen getrübten – Augen das angenehmste Hotel in Dahab. Kein Chicky Micky, freundlicher und sehr professioneller Service, schöne Zimmer und: Super Essen.

Das Swiss Inn hat einen schönen Garten, einen gepflegten Strand mit einer sehr angenehmen und nicht teueren Beach Bar.

Das Swiss Inn kann über sun+fun gebucht werden, aber auch über Bucherreisen und ltur.

Ganet Sinai:

Direkt an der Happy Station, ist es wirklich vom Bett aufs Brett. Leider ist das Ganet eines der ältesten Hotels am Ort, und somit ist der  Standard nicht vergleichbar mit den anderen Hotels. Dennoch gibt es eine regelrechte Fangemeinde des Ganets, weil es eben einfach ist, alles zusammen zu unternehmen.

Auffällig, (wie in Jahren zuvor) war leider, dass die Gäste als die Einzigen unter Magen-/Darmproblemen litten.

Vor dem Ganet gibt es ebenfalls eine Strandbar, ebenso an der danebenliegenden Planet Station, die beide über das Ganet abgerechnet werden. Auch stellt das Hotel dankenswerterweise Toiletten am Strand zur Verfügung (ein Schlem, wer jetzt böses denkt! ;-) ).

Das Ganet Sinai ist im Angebot von Happy Sportreisen.

Dahabeya:

Wer hier was Schlechtes sagen kann, soll sich bei mir melden ;-).

Im Ernst: das Dahabeya ist ausgewogen vom Preis-/Leistungsverhältnis. Schöne Zimmer, gutes Essen, guter Service. Das sich das Hotel „verdoppelt“  hat, tut dem wohl keinen Abbruch, auch wenn der Anbau ohne Pool doch sehr heiß wird, selbst um diese frühe Jahreszeit. Da es (noch) am südlichen Ende des Strands liegt, ist es ideal für Besucher der  Harry Nass Station. Alle anderen müssen von dort doch ein paar Meter zu den Stationen laufen.

 

Fazit

Dahab: Immer wieder und gerne. Grade um diese Jahreszeit ist es die Flucht aus der Kälte, ideal sich einzufahren, neue Manöver zu üben oder um ganz simple Easy Surfing zu betreiben ;-)

Noch ist es in Dahab nicht so überfüllt, noch hat es was familiäres, und man hat das Gefühl, dass der Werbespruch der Ägypter stimmt: „Zuhause bei  Freunden“.

Ich persönlich liebe das Frühjahr in Dahab, weil es 30° Luft und 23° Wasser hat, nicht so brüllend heiß wie im Sommer.

 

Fotos findet Ihr auf der Seite: LINK

 

Kommentar und Wertung zur Seite (5 /Sterne/ sind Super, 1 ist Mist!!)

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